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Atemschaukel
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NOCH SO EINE NOBELPREISTRÄGERIN?
Herta Müller � Atemschaukel (2009)
Fünf Lagerjahre � fünf Jahre der Zwangsarbeit, der unmenschlichen Bedingungen, des Eingeschlossenseins in die Flügel des Hungerengels � beschreibt aus der Ich-Perspektive eine fiktive 17-jährige Figur namens Leopold. Der junge Mann wird als in Rumänien lebender Deutscher in ein Arbeitslager verschleppt, um dort Aufbauarbeiten für die Sowjetunion zu leisten. Alles wird zugunsten des Hungerns geopfert, seinen „Faust� und „Zarathustra� wird er Seite für Seite als Zigarettenpapier verkaufen. Das Mantra „Ich weiß, du kommst wieder� � die letzten Worte seiner Großmutter � helfen zeitweise, sich hartnäckig ans Leben zu klammern. Und doch: so viel Ungewissheit, ob man leben will oder nur noch einen Tag überstehen wird. Hilft da das Gedichtrezitieren, das Erinnern an die Heimat, die Flucht in Lagerliebschaften? Leopold zumindest versucht es.
Die Gesamtpoetik des romanhaften Stücks Literatur, das Herta Müller hier vorlegt, kann über die Grausamkeit und Wirklichkeit des Lageralltags absolut nicht hinwegtäuschen. Naturvergleiche, romantische Motive und das Verkriechen im russischen Vokabular machen den Tod nicht weniger unmittelbar. Leopold sieht und hört dafür einfach zu vieles und teilt dem Lesenden alles akribisch genau mit. Da sich der Lageralltag stetig wiederholt, arbeitet auch die Autorin mit den zwei wiederkehrenden Motiven HEIMWEH und HUNGERENGEL. Manchmal platzen diese beiden Worte auch unmittelbar in die Gedankenwelt des jungen Mannes, dem wir folgen und es unterbricht (leider) oft das versucht-flüssige Romankonzept. Nichtsdestotrotz war ich von Herta Müllers Sprache sehr fasziniert. Leopold konzentriert sich interessanterweise oft auf ‚weibliche� Themen im Lager, dadurch hatte ich das Gefühl, eher einer Frauenperspektive zu folgen. Das Gefühl wich bis zur letzten Seite irgendwie nicht so recht von mir. Vielleicht ging es anderen Lesenden auch so?!
Insgesamt halte ich dieses Buch für sehr lesenswert, man ertrage nur den Stein in Herz und Magen, den die Autorin einem beim Lesen zugedenkt mit ihrem Werk.
Herta Müller � Atemschaukel (2009)
Fünf Lagerjahre � fünf Jahre der Zwangsarbeit, der unmenschlichen Bedingungen, des Eingeschlossenseins in die Flügel des Hungerengels � beschreibt aus der Ich-Perspektive eine fiktive 17-jährige Figur namens Leopold. Der junge Mann wird als in Rumänien lebender Deutscher in ein Arbeitslager verschleppt, um dort Aufbauarbeiten für die Sowjetunion zu leisten. Alles wird zugunsten des Hungerns geopfert, seinen „Faust� und „Zarathustra� wird er Seite für Seite als Zigarettenpapier verkaufen. Das Mantra „Ich weiß, du kommst wieder� � die letzten Worte seiner Großmutter � helfen zeitweise, sich hartnäckig ans Leben zu klammern. Und doch: so viel Ungewissheit, ob man leben will oder nur noch einen Tag überstehen wird. Hilft da das Gedichtrezitieren, das Erinnern an die Heimat, die Flucht in Lagerliebschaften? Leopold zumindest versucht es.
Die Gesamtpoetik des romanhaften Stücks Literatur, das Herta Müller hier vorlegt, kann über die Grausamkeit und Wirklichkeit des Lageralltags absolut nicht hinwegtäuschen. Naturvergleiche, romantische Motive und das Verkriechen im russischen Vokabular machen den Tod nicht weniger unmittelbar. Leopold sieht und hört dafür einfach zu vieles und teilt dem Lesenden alles akribisch genau mit. Da sich der Lageralltag stetig wiederholt, arbeitet auch die Autorin mit den zwei wiederkehrenden Motiven HEIMWEH und HUNGERENGEL. Manchmal platzen diese beiden Worte auch unmittelbar in die Gedankenwelt des jungen Mannes, dem wir folgen und es unterbricht (leider) oft das versucht-flüssige Romankonzept. Nichtsdestotrotz war ich von Herta Müllers Sprache sehr fasziniert. Leopold konzentriert sich interessanterweise oft auf ‚weibliche� Themen im Lager, dadurch hatte ich das Gefühl, eher einer Frauenperspektive zu folgen. Das Gefühl wich bis zur letzten Seite irgendwie nicht so recht von mir. Vielleicht ging es anderen Lesenden auch so?!
Insgesamt halte ich dieses Buch für sehr lesenswert, man ertrage nur den Stein in Herz und Magen, den die Autorin einem beim Lesen zugedenkt mit ihrem Werk.
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Atemschaukel.
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Reading Progress
January 11, 2018
–
Started Reading
January 11, 2018
– Shelved
January 25, 2018
– Shelved as:
dt-gegenwartsliteratur
January 25, 2018
– Shelved as:
dt-buchpreis
January 25, 2018
–
Finished Reading