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Ãœber die Berechnung des Rauminhalts I
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Die Bücher haben mich stark an einen Film aus meiner Kindheit erinnert, und zwar an die US-amerikanische Filmkomödie „Und täglich grüßt das Murmeltier� aus dem Jahr 1993. Der zynische TV-Wetteransager Phil Connors erlebt darin täglich wiederkehrend den 2. Februar, an dem in der Kleinstadt Punxsutawney der Tag des Murmeltiers gefeiert wird. Ekelpaket Phil wird erst wieder in den 3. Februar entlassen, als aus ihm ein freundlich zugewandter Zeitgenosse geworden ist.
Der Plot von „Über die Berechnung des Rauminhalts� erinnert an den Filmklassiker, aber damit enden die Parallelen auch schon. Die Dänin Solvej Balle hat eine Romanreihe über die Unwägbarkeiten des Lebens geschrieben, die ebenso verstörend wie klug anmutet.
Die Antiquarin Tara Selter aus der (fiktiven) französischen Kleinstadt Clairon-sous-Bois ist in einer Zeitschleife gefangen und erlebt den 18. November wieder und wieder. Sie gewöhnt sich nur widerwillig an den Gedanken, dass „die ganze Vorhersagbarkeit der Welt� plötzlich aus den Angeln gehoben ist. Ihr wird die fehlende Konstanz von Zeit und Raum bewusst:
„Und hinter all dem, was wir gewöhnlich als sicher annehmen, liegen unwahrscheinliche Ausnahmen, plötzliche Risse und unvorstellbare Gesetzesbrüche.�
Würdet Ihr die Möglichkeit nutzen, einen Tag im Leben nochmal erleben zu können, wenn sie bestände? Ist es eher eine Verlockung oder Horrorvorstellung, ein wahr gewordener Albtraum? Für mich ist diese Vorstellung eine Verlockung, löst aber gleichzeitig auch Unbehagen in mir aus - letztendlich ist die Singularität der Zeit wahrscheinlich doch ein segensreiches Faktum. Es mutet doch ziemlich unheimlich an, dass der gleiche Tag immer wiederkehrt und es keinen zeitlichen Fortschritt gibt. Aber diese Vision ist eher unwahrscheinlich - oder vielleicht doch nicht?!
Tara zweifelt am Anfang der Geschichte an ihrem Verstand und sucht gemeinsam mit ihrem Mann Thomas nach Auswegen aus der Zeitschleife. Aber letztlich führt der weitere Verlauf zu einer Akzeptanz der Situation ihrerseits. Doch zahlt sie einen hohen Preis dafür - die Entfremdung von ihrem Ehemann, die mit Fortschreiten der Bücher immer stärkere Ausprägungen annimmt. Sie setzt ihre ganze Hoffnung in den Tag, an dem sich die Zeitverschiebung jährt.
Mehr möchte ich nicht über das Ende des Auftakts des Romanzyklus verraten. Mir war bis zur letzten Seite nicht klar, warum die Ich-Erzählerin Tara in dieser Zeitanomalie gefangen ist. Und auch nicht, wie sie wieder zurück in die Normalität finden könnte.
Ich habe Taras Gedankenwelt in allen Stufen ihrer Verzweiflung, die Solvej Balle hier erschaffen hat, als philosophisch und einfühlsam zugleich empfunden.
Besonders beeindruckend beschrieben von Solvej Balle fand ich die Entwicklung Taras über die drei Bücher hinweg und die pointierte Integration von Elementen des Magischen Realismus. Ein ganz großes Stück Literatur. Die Bücher werden mich so schnell nicht loslassen und ich erwarte voller Ungeduld die Erscheinung von Teil vier.
Der Plot von „Über die Berechnung des Rauminhalts� erinnert an den Filmklassiker, aber damit enden die Parallelen auch schon. Die Dänin Solvej Balle hat eine Romanreihe über die Unwägbarkeiten des Lebens geschrieben, die ebenso verstörend wie klug anmutet.
Die Antiquarin Tara Selter aus der (fiktiven) französischen Kleinstadt Clairon-sous-Bois ist in einer Zeitschleife gefangen und erlebt den 18. November wieder und wieder. Sie gewöhnt sich nur widerwillig an den Gedanken, dass „die ganze Vorhersagbarkeit der Welt� plötzlich aus den Angeln gehoben ist. Ihr wird die fehlende Konstanz von Zeit und Raum bewusst:
„Und hinter all dem, was wir gewöhnlich als sicher annehmen, liegen unwahrscheinliche Ausnahmen, plötzliche Risse und unvorstellbare Gesetzesbrüche.�
Würdet Ihr die Möglichkeit nutzen, einen Tag im Leben nochmal erleben zu können, wenn sie bestände? Ist es eher eine Verlockung oder Horrorvorstellung, ein wahr gewordener Albtraum? Für mich ist diese Vorstellung eine Verlockung, löst aber gleichzeitig auch Unbehagen in mir aus - letztendlich ist die Singularität der Zeit wahrscheinlich doch ein segensreiches Faktum. Es mutet doch ziemlich unheimlich an, dass der gleiche Tag immer wiederkehrt und es keinen zeitlichen Fortschritt gibt. Aber diese Vision ist eher unwahrscheinlich - oder vielleicht doch nicht?!
Tara zweifelt am Anfang der Geschichte an ihrem Verstand und sucht gemeinsam mit ihrem Mann Thomas nach Auswegen aus der Zeitschleife. Aber letztlich führt der weitere Verlauf zu einer Akzeptanz der Situation ihrerseits. Doch zahlt sie einen hohen Preis dafür - die Entfremdung von ihrem Ehemann, die mit Fortschreiten der Bücher immer stärkere Ausprägungen annimmt. Sie setzt ihre ganze Hoffnung in den Tag, an dem sich die Zeitverschiebung jährt.
Mehr möchte ich nicht über das Ende des Auftakts des Romanzyklus verraten. Mir war bis zur letzten Seite nicht klar, warum die Ich-Erzählerin Tara in dieser Zeitanomalie gefangen ist. Und auch nicht, wie sie wieder zurück in die Normalität finden könnte.
Ich habe Taras Gedankenwelt in allen Stufen ihrer Verzweiflung, die Solvej Balle hier erschaffen hat, als philosophisch und einfühlsam zugleich empfunden.
Besonders beeindruckend beschrieben von Solvej Balle fand ich die Entwicklung Taras über die drei Bücher hinweg und die pointierte Integration von Elementen des Magischen Realismus. Ein ganz großes Stück Literatur. Die Bücher werden mich so schnell nicht loslassen und ich erwarte voller Ungeduld die Erscheinung von Teil vier.
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Ãœber die Berechnung des Rauminhalts I.
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May 1, 2024
– Shelved
May 1, 2024
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to-read
June 27, 2024
–
Started Reading
June 29, 2024
–
43.18%
"Ich hatte angefangen, schärfer zu sehen, hatte angefangen, nach Erklärungen zu suchen, es gab keinen Nebel mehr, in dem man sich verbergen konnte. Ich fühlte mich ungeschützt, und ich fühlte mich allein."
page
76
August 26, 2024
–
Finished Reading