Sarah Ricarda's Reviews > Der Himmel vor hundert Jahren
Der Himmel vor hundert Jahren
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Irgendwas ist anders seit Wadik da ist. Annuschka spürt es ganz genau. Viel erwachsener fühlt sie sich auf einmal und deswegen wird aus Annuschka Anna, die ziemlich viele Fragen hat. Die mehr wissen möchte, als ihre Großeltern ihr vermitteln können. Dabei ist ihr Großvater Ilja sogar der Wissenschaft zugeneigt. Er ist einer, der auf den Aberglauben seiner Frau nicht viel gibt. Mithilfe eines Glasröhrchens sagt er das Wetter voraus. Das ist wichtig für die Leute im Dorf, schließlich hängt davon die Ernte ab.
Doch nicht alle sind begeistert von dieser modernen Methode. Ähnlich wie Iljas Frau Inna, glaubt auch der alte Pjotr an die alten Wege. Er befragt lieber den Fluss als irgendwelche Röhrchen und hat noch Respekt vor Waldgeistern. Deswegen glaubt er Inna auch, als sie erzählt, dass bald ein Mann erscheinen wird, schließlich ist ihr ein Messer runtergefallen und das sagt ja wohl alles.
Und dann liegt Wadik in ihrem Stall. Ein junger Mann, der einzige im Dorf, alle anderen jungen Männer sind im Krieg. Wadik sagt nicht viel, geht aber bei Ilja in die Rörchen-Wetter-Lehre, schnitzt viel und freundet sich mit Anna an.
Die wiederum erhofft sich von ihm lesen zu lernen oder doch zumindest irgendwas, das Ideen bringt, eine Zukunft mit Träumen, auch für junge Frauen wie sie.
Yulia Marfutova hat mit "Der Himmel vor hundert Jahren" ein eigentümliches Porträt eines Dorfes geschrieben, das im Russland des Jahres 1918 irgendwo zwischen den Zeiten hängt. Eine Mischung aus Aberglaube und christlichem Glaube ist hier vorherrschend, die meisten Bewohner:innen können nicht lesen oder schreiben - wozu auch. Doch der Wandel hin zur Moderne ist spürbar, er tröpfelt langsam in das Dorf - nicht nur im Guten - und kommt doch nicht richtig an.
Sehr subtil erzählt Marfutova das alles, vieles wird nur angedeutet. Das muss man mögen und ehrlich gesagt, war auch mir das Ende etwas zu vage.
Aber die Fabulierlust Marfutovas, ihr Spiel mit der Sprache und ihre Erzählerin, die sich selbst unterbricht und verbessert hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dieses Büchlein mit seinen schrulligen Figuren doch lieb gewonnen habe.
Doch nicht alle sind begeistert von dieser modernen Methode. Ähnlich wie Iljas Frau Inna, glaubt auch der alte Pjotr an die alten Wege. Er befragt lieber den Fluss als irgendwelche Röhrchen und hat noch Respekt vor Waldgeistern. Deswegen glaubt er Inna auch, als sie erzählt, dass bald ein Mann erscheinen wird, schließlich ist ihr ein Messer runtergefallen und das sagt ja wohl alles.
Und dann liegt Wadik in ihrem Stall. Ein junger Mann, der einzige im Dorf, alle anderen jungen Männer sind im Krieg. Wadik sagt nicht viel, geht aber bei Ilja in die Rörchen-Wetter-Lehre, schnitzt viel und freundet sich mit Anna an.
Die wiederum erhofft sich von ihm lesen zu lernen oder doch zumindest irgendwas, das Ideen bringt, eine Zukunft mit Träumen, auch für junge Frauen wie sie.
Yulia Marfutova hat mit "Der Himmel vor hundert Jahren" ein eigentümliches Porträt eines Dorfes geschrieben, das im Russland des Jahres 1918 irgendwo zwischen den Zeiten hängt. Eine Mischung aus Aberglaube und christlichem Glaube ist hier vorherrschend, die meisten Bewohner:innen können nicht lesen oder schreiben - wozu auch. Doch der Wandel hin zur Moderne ist spürbar, er tröpfelt langsam in das Dorf - nicht nur im Guten - und kommt doch nicht richtig an.
Sehr subtil erzählt Marfutova das alles, vieles wird nur angedeutet. Das muss man mögen und ehrlich gesagt, war auch mir das Ende etwas zu vage.
Aber die Fabulierlust Marfutovas, ihr Spiel mit der Sprache und ihre Erzählerin, die sich selbst unterbricht und verbessert hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dieses Büchlein mit seinen schrulligen Figuren doch lieb gewonnen habe.
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Der Himmel vor hundert Jahren.
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Reading Progress
September 1, 2021
–
Started Reading
September 5, 2021
–
Finished Reading
September 6, 2021
– Shelved
September 6, 2021
– Shelved as:
2021