Walter ist tot. Seine Frau Hilde hat ihn erschlagen. Danach ist sie verschwunden und niemand kann sich das so richtig erklären - weder den Totschlag, Walter ist tot. Seine Frau Hilde hat ihn erschlagen. Danach ist sie verschwunden und niemand kann sich das so richtig erklären - weder den Totschlag, noch das Verschwinden. Auch Walter nicht. Der muss nämlich feststellen, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist, sondern er und alle anderen Verstorbenen des Dorfes immer noch vor Ort sind. Zumindest solange irgendjemand an sie denkt. Ungesehen von den Lebenden beobachten sie ihre Hinterbliebenen, sind Chronisten ihres Lebens. Walter ist außerdem Detektiv. Er möchte herausfinden, was zwischen ihm und Hilde passiert ist, warum er sich kurz vor seinem Tod so verändert hat - und was nun eigentlich aus Hilde geworden ist. Die Antworten werden ihm nicht gefallen. Denn Walter war kein netter Mensch. Regelrecht terrorisiert hat er seine Frau, ihr kaum ein selbstbestimmtes Leben gegönnt. Überhaupt scheint es mit der Lebensqualität der Dorfbewohner nicht weit her zu sein. Sie alle hängen unerfüllten Sehnsüchten nach, viele haben die Wende nicht verkraftet und füllen ihre innere Leere mit Essen, Alkohol oder Gewaltausbrüchen. Walter beobachtet all seine ehemaligen Nachbarn und lernt dabei viel über Sinn und Unsinn des menschlichen Daseins sowie über die individuelle Kraft, die es braucht, um darin Erfüllung zu finden. Angelika Klüssendorf hat mit "Vierunddreißigster September" ein sehr kluges, sehr trauriges Buch über das Leben geschrieben und fragt, welchen Wert es hat, wenn der Tod es nicht wirklich beendet? (Extrem gruselige Vorstellung übrigens.) Ganz subtil macht sie das - und vor allem ganz und gar unkitschig. Weil sie das Leben in seiner rohesten Form zeigt und dort hinguckt, wo es wehtut. Weil sie mit einer präzisen, knappen Sprache erzählt. Mit bissigem Witz, viel Melancholie und mit Sätzen, die bleiben. Nach einem etwas holprigen Start habe ich dieses Buch letztendlich verschlungen und meine Bewunderung für Angelika Klüssendorfs Schreiben ist wieder einmal gestiegen....more
Spieler hat es geschafft. Nach 800 Jahren Exil ist er in seine Welt zurückgekehrt. In sein Zuhause hinter den Spiegeln, in dem Märchen noch wahr sind Spieler hat es geschafft. Nach 800 Jahren Exil ist er in seine Welt zurückgekehrt. In sein Zuhause hinter den Spiegeln, in dem Märchen noch wahr sind und Magie lebendig ist. Und genau diese Magie ist es, die ihm selbst zu schaffen macht. Denn obwohl er davon überzeugt ist, die letzte Fee durch Will Reckless' Hand getötet zu haben, wächst ihm Rinde auf der Haut. Der Feenfluch, der ihn so lange an einer Rückkehr hinderte, scheint noch nicht ganz verflogen. Vielleicht hat es etwas mit dem goldenen Faden um Fuchs' Handgelenk zu tun, der zu ihr flüstert und ihr irgendwie Zuversicht gibt. Doch was Spieler begehrt, ist ihr ungeborenes Kind. Eine alte Prophezeiung sieht in ihm die Vernichtung Spielers, dabei würde der Erlelf mit den vielen Gesichtern und der Vorliebe für Silber gerne unsterblich bleiben. Und Jacob? Der gerät mal wieder in ein gefährliches Abenteuer nach dem anderen, weil er seinen Bruder Will und natürlich auch Fuchs beschützen möchte. Und weil der Goyl Nerron ihre alte Feindschaft nicht vergessen hat. Und so entspinnt sich eine spannende Geschichte, in der Spiegel wieder zu Toren werden, Tätowierungen zum Leben erwachen und der Duft von zimtigen Lebkuchen großes Unheil bedeutet. Wie gerne wäre ich noch viel mehr Seiten lang abgetaucht in die von mir so liebgewonnene Welt hinter den Spiegeln. Cornelia Funke schafft auch in diesem vierten Reckless-Band eine unheimlich-märchenhafte Atmosphäre, die mich einmal mehr beinahe atemlos die Seiten umblättern ließ. Kunstvoll flüsternd ist ihre Sprache, spannend die Handlung, ihr ganzes Schreiben magisch. Ich liebe diese Reihe so sehr und hoffe nun, nicht wieder fünf Jahre auf den nächsten Band warten zu müssen....more
Till Raether hat mit „Bin ich schon depressiv oder ist das noch das Leben?� ein sehr persönliches Buch geschrieben, aus dem ich mindestens jeden fünftTill Raether hat mit „Bin ich schon depressiv oder ist das noch das Leben?� ein sehr persönliches Buch geschrieben, aus dem ich mindestens jeden fünften Satz zitieren möchte und das sich beim Lesen angefühlt hat, wie das Gespräch mit einem Gleichgesinnten! Raether ist Schriftsteller und Journalist und berichtet in diesem Buch, wie viel unter anderem der Job in einer Redaktion dazu beigetragen hat, dass er krank geworden ist. Zusammengerissen hat er sich � nicht nur dort, aber eben auch -, hat viel gearbeitet, Anerkennung durch den Job gesammelt. Anerkennung, die er von seinen Eltern nicht bekommen hat, wie er später erkennt. Überhaupt erkennt Raether seine Depression erst spät, beschreibt die Auswirkungen seiner Krankheit auf ihn und seine Familie, erzählt von ersten Therapieerfahrungen und die langsame Rückkehr in ein Leben, das von mehr Achtsamkeit für sich selbst geprägt ist. Vor allem macht er in diesem Buch deutlich, dass man sich für eine Depression nicht schämen sollte und dass es unglaublich wichtig ist, sich Hilfe zu suchen. Alles verpackt in einem lockeren, aber doch nachdenklichen Ton � eine dringende Leseempfehlung! ...more
Nun ist es raus: Erin kann auch auf die Magie des Vortex zugreifen. Und wie das mit den zu Beginn unwissenden Held:innen in Fantasygeschichten immer iNun ist es raus: Erin kann auch auf die Magie des Vortex zugreifen. Und wie das mit den zu Beginn unwissenden Held:innen in Fantasygeschichten immer ist, ist sie natürlich auch besonders begabt, gehört einem der mächtigsten Hexenzirkel an und kann sowieso auf eine Familienlinie mächtiger Hexen zurückblicken. (An sich ist das natürlich nicht schlimm, aber ich bin von diesem Motiv in Fantasyliteratur zunehmend genervt, wie ich merke.) Das hilft ihr aber zunächst auch nicht, das immer stärker werdende Chaos in der magischen Unterwelt Edinburghs wieder zu ordnen. Zu undurchsichtig ist, wer auf wessen Seite steht und niemand weiß, wem er oder sie vertrauen kann. Nur eins ist klar: Alle sind hinter Talus her, diesem mächtigen Würfel, der Herzenswünsche erfüllen kann, im Gegenzug aber die geheimen Ängste wahr werden lässt. (Erfahrene Fantasykonsument:innen wissen ja: Magic always comes with a price! Ein Motiv, das ich übrigens mag.) Wer damit welche Absicht verfolgt, wird hier natürlich nicht verraten, wer für den Würfel sein Leben lassen muss, auch nicht. Nur so viel: Mich hat nichts davon wirklich überrascht. Und ehrlich gesagt, hat es mich irgendwann auch nicht mehr interessiert. Hat mich das erste Talus-Buch noch mitgerissen und besonders wegen seines Worldbuildings begeistert, fühlt sich im zweiten Teil alles etwas hektisch an. Ständig wird gerannt, herumgewirbelt und "Verdammte Scheiße!" gerufen. Die für mich so interessante Mystik um Talus, seine Herstellerin und überhaupt das Wesen der Magie und wie sie die magische Welt Edinburghs strukturiert, geht dabei leider unter. Eigentlich fantastische Ideen wie Drachen und Lindwürmer werden ohne wirklichen Sinn dazwischen geworfen und auch eine wirklich tolle Labyrinth-Szene mit Tiefgang konnte meine Begeisterung nur kurz zurückholen. Hinzu kamen einige sprachliche Klischees und teilweise sehr hölzerne Dialoge. Insgesamt leider eine Enttäuschung. Sehr schade!...more
Erin hat ihren Glauben an Magie verloren. Früher hat sie überall nach magischen Phänomenen gesucht und gehofft, über magische Kräfte zu verfügen. DochErin hat ihren Glauben an Magie verloren. Früher hat sie überall nach magischen Phänomenen gesucht und gehofft, über magische Kräfte zu verfügen. Doch dann wurde ihre Tante schwer krank und sie versuchte sich der Realität zu stellen. Aber dann glaubt sie auf einer von ihr geführten Grusel-Tour einen Geist zu sehen und plötzlich ist nicht nur ihr Leben in Gefahr, sondern auch ihr Weltbild dreht sich einmal um. Sie erfährt, dass es eine magische Welt unterhalb Edinburghs gibt, in der Hexen und Hexer verschiedener sozialer Schichten leben und wirken. Und sie scheint irgendwie mit ihnen verbunden zu sein. Vor allem mit einem geheimnisvollen Würfel, der über große Macht verfügen soll. Liza Grimm hat mit "Talus. Die Hexen von Edinburgh" einen kurzweiligen Urban-Fantasyroman geschrieben, an dem mich vor allem das Worldbuilding fasziniert. Die soziale Struktur der Hexenwelt, der spezielle Zugang und die Aufteilung der Magie sowie die Geografie der Unterwelt finde ich ziemlich spannend. Und sie stellt interessante Fragen: Wissen wir selbst um unseren tiefsten Herzenswunsch, verfolgen wir damit positive Absichten und was wären wir bereit für ihn zu opfern? Der Roman liest sich flüssig und abgesehen von kleinen Längen zu Beginn und ein paar sprachlichen Klischees hat er mir gut gefallen. Einige Fragen bleiben offen, aber die werden hoffentlich im zweiten Teil geklärt, auf den ich jetzt auch neugierig bin....more
Sie ist wunderschön, reich und eigentlich mangelt es ihr an nichts. Doch die Protagonistin aus Ottessa Moshfeghs Roman "My year of rest and relaxationSie ist wunderschön, reich und eigentlich mangelt es ihr an nichts. Doch die Protagonistin aus Ottessa Moshfeghs Roman "My year of rest and relaxation" hat trotzdem die Freude am Leben verloren - sie sieht keinen Sinn mehr darin. Ihre Eltern sind beide verstorben, emotional klammert sie sich an einen Mann namens Trevor, der sie offensichtlich nur ausnutzt. Müde vom Leben, ihrem oberflächlichen Job in einer hippen Kunstgalerie und der merkwürdigen Beziehung zu ihrer besten Freundin Reva, beschließt sie, ein Jahr quasi schlafend zu verbringen. Praktischerweise findet sie die unverantwortlichste Psychologin New Yorks, die sie ohne Bedenken mit allen möglichen Medikamenten versorgt. Nach und nach wird klar: Die junge Frau leidet an depressiven Symptomen, die Beziehung zu ihren Eltern war lieblos, ihr fehlt es an Halt und Sinn. Also schläft sie. Doch irgendwann gewöhnt sich ihr Körper an die Medikamente, sie hat Wachphasen, an die sich nicht erinnert, ihr Experiment droht außer Kontrolle zu raten. Ottessa Moshfegh erzählt hier von einer Lebensmüden, die nicht sterben, aber eine lange Auszeit nehmen möchte. Von einer jungen Frau, der das Leben mit all seinen Herausforderungen zu viel wird, sich aber nicht eingestehen möchte, dass sie krank ist. Mit viel Ironie erzählt sie das, mit schnoddrigem Witz, schonungsloser Ehrlichkeit und einer latenten Traurigkeit. Das mochte ich alles sehr und vor allem am Anfang hat mich das Buch sehr mitgerissen. Am Ende macht es sich Ottessa Moshfegh meiner Meinung nach aber doch etwas zu einfach und hat mich etwas unbefriedigt zurück gelassen....more
Lena feiert ihren 50. Geburtstag und hätte gerne ihre liebsten Menschen dabei. Vor allem ihre Tochter Edi, ihre beste Freundin Tatjana und deren TochtLena feiert ihren 50. Geburtstag und hätte gerne ihre liebsten Menschen dabei. Vor allem ihre Tochter Edi, ihre beste Freundin Tatjana und deren Tochter Nina. Doch die Verhältnisse sind kompliziert, vor allem zwischen den Müttern und Töchtern. Denn die jüngere Generation möchte die alten Geschichten aus der Ukraine nicht mehr hören. Nichts von guten alten Zeiten erzählt bekommen, nichts von Flucht und Neuanfängen. Und gleichzeitig leidet sie unter diesem Nichtwissen, versteht die Elterngeneration deswegen nicht - die Kommunikation funktioniert nicht. Davon erzählt Sasha Marianna Salzmann in einer sehr klaren, fließenden Sprache, die einen wie ein Boot durch ihren Roman trägt. Von Lenas und Tatjanas Leben in der Ukraine erzählt sie. Von ihren Träumen und dem Scheitern dieser. Von Liebesbeziehungen, die enttäuschten, von erzwungenem Pragmatismus und von der Suche nach Identität. Aber auch von politischen Umwälzungen und Ungerechtigkeiten, von gesellschaftlichen Kämpfen und vom Krieg. "Im Menschen muss alles herrlich sein" ist damit nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch das Porträt zweier Generationen mit osteuropäischen Wurzeln, die jede auf ihre Art entwurzelt sind. Ein leises, aber sehr intensives Buch und eine dringende Leseempfehlung von mir....more
Das Sams wünscht sich einen blauen Drachen. Also einen aus Stoff oder Papier mit einer langen Schnur, den es im Wind steigen lassen kann. Doch wer dieDas Sams wünscht sich einen blauen Drachen. Also einen aus Stoff oder Papier mit einer langen Schnur, den es im Wind steigen lassen kann. Doch wer die Samsgeschichten kennt, weiß, dass Wünsche sehr genau gestellt werden müssen, sonst gehen sie immer ein bisschen schief. Obwohl das Sams das eigentlich auch wissen müsste - schließlich hatte es selbst mal Wunschpunkte - drückt es sich gegenüber der Wunschmaschine zu vage aus und schwupps, steht ein lebendiger blauer Drache im Zimmer. Der kann sogar sprechen und freundet sich prompt mit dem Sams an, irgendwann reimen sie sogar zusammen. Doch der Drache muss ein Geheimnis bleiben. Denn wenn Herr Taschenbier oder gar Frau Rotkohl von ihm erführen, gäbe es reichlich Ärger. Paul Maar hat diese Geschichte quasi nach dem zweiten Samsband angesiedelt, allerdings in einer Sams-Realität, in der die Wunschmaschine nicht explodiert ist. Als ich sie im Buchladen sah, musste ich sie einfach mitnehmen und ich wurde nicht enttäuscht. "Das Sams und der blaue Drache" ist ein sehr niedliches Buch für Zwischendurch mit vielen witzigen Samsreimen und mit einem Besuch von Herrn Mon und seinem Papagei Herrn Kules - was will man mehr? Die Originale haben zwar noch ein bisschen mehr Pepp, aber ich hatte auch hier wieder sehr viel Spaß. Ein Treffen mit dem Sams ist doch immer wieder ein Erlebnis....more
Als sie klein war, war Ipek ihrem Vater sehr nahe. Sie haben zusammen getobt, gerauft, hatten ihre kleinen Rituale, ihre Insiderwitze. Doch irgendwannAls sie klein war, war Ipek ihrem Vater sehr nahe. Sie haben zusammen getobt, gerauft, hatten ihre kleinen Rituale, ihre Insiderwitze. Doch irgendwann ist diese Vertrautheit verloren gegangen. Vielleicht mit Beginn der Pubertät, vielleicht auch nicht. Jetzt ist Ipek erwachsen, arbeitet als Radiojournalistin in Berlin und besucht ihren Vater für ein paar Tage als die Mutter im Kurz-Wellness-Urlaub ist. Ipek hofft, die Stille zwischen ihr und ihrem Vater zu überwinden - und erkennt, dass es nicht nur er es ist, der schweigt. Dilek Güngör hat mit "Vater und Ich" einen leisen, anrührenden Text über Kommunikation geschrieben. Von Sprachlosigkeit schreibt sie hier. Vom Schweigen und dem Abstand, der darin liegen kann. Aber auch von der Nähe, die es mit sich bringen kann. Es geht auch um Sprache an sich. Wie wichtig sie ist, um einen Platz in der Welt und die eigene Identität zu finden. Mir hat dieser kurze Roman sehr gut gefallen, viele Worte hallen noch leise nach. (Besonders schön fand ich auch die Beschreibungen von Ipeks journalistischen Anfängen, ich habe mich darin sehr stark wiedergefunden.) Eine herzliche Leseempfehlung!...more
Christian Kracht schreibt über eine Figur, die Christian Kracht heißt. Dieser Kracht hat vor einem Vierteljahrhundert einen Roman namens "Faserland" gChristian Kracht schreibt über eine Figur, die Christian Kracht heißt. Dieser Kracht hat vor einem Vierteljahrhundert einen Roman namens "Faserland" geschrieben. Warum er den damals so genannt hat, weiß er heute nicht mehr. Schriftsteller ist er wohl immer noch, denn ständig muss er sich von seiner überaus reichen, aber dementen und alkoholkranken Mutter anhören, dass seine Literatur nichts taugt. Sie sei zu banal, er solle sich doch mal ein Beispiel an großen Namen nehmen, wie beispielsweise Flaubert. "Eurotrash" erzählt von der Beziehung dieser Kracht-Figur zu seiner Mutter. Von einem furchtbaren Erlebnis, das sie beide verbindet und gleichzeitig das Schweigen zwischen ihnen verstärkt. Gemeinsam begeben sie sich auf eine aberwitzige Taxifahrt, werfen mit dem Geld der Mutter um sich - teilweise buchstäblich - und nähern sich dabei ein bisschen an. Gleichzeitig erzählt die Kracht-Figur Teile ihrer Familiengeschichte. Von einem Nazi-Großvater, der sich von isländischen Au-pairs hat quälen lassen und von einem Vater, der die rechte Hand Axel Springers war. Was hier von der Biografie des Schriftstellers Kracht mit einfließt und was dazu erfunden ist, bleibt bewusst offen. Überhaupt verschwimmen Fiktionalität und Realität in diesem Buch ständig, das Spiel damit wird sogar soweit getrieben, dass die Figuren darüber philosophieren, ob sie nun echt oder erfunden wären. Auch mit dem Blick auf sein eigenes Schreiben spielt Christian Kracht in seinem aktuellen Roman humorvoll. Der Roman ist geprägt von tragisch-komischen Szenen und Dialogen, die flotte Sprache ist leicht zugänglich und produziert trotzdem teilweise philosophisch-kluge Sätze. Mir hat das alles gut gefallen, der erste Teil, der sich um die Familiengeschichte dreht, hat mich allerdings nicht wirklich abgeholt. Zu lieblos schienen mir hier die Episoden aneinandergereiht, zu wenig mitreißend der Erzählfluss. Der zweite Teil hat mich damit versöhnt und insgesamt war das ein gutes Leseerlebnis....more
Ein knackig informatives und sehr motivierende kleines Buch über Depression, in das Zoe Beck ihre persönliche Erfahrungen mit einfließen lässt. Ein seEin knackig informatives und sehr motivierende kleines Buch über Depression, in das Zoe Beck ihre persönliche Erfahrungen mit einfließen lässt. Ein sehr gutes Buch für Betroffene oder Angehörige/Freunde von Betroffenen mit vielen Infotafeln und Sätzen, die Mut machen ohne die Ernsthaftigkeit der Krankheit zu untergraben.
"Längst hatte ich mich in dieser Dunkelheit mehr schlecht als recht eingerichtet, als es mich noch tiefer in den Abgrund riss und schließlich gar nichts mehr ging." (Seite 8/9)
"Wer es schafft, sich helfen zu lassen, verdient Respekt und Unterstützung, nicht Hohn oder Ablehnung." (Seite 61)
"Darüber zu reden funktioniert erst richtig gut, wenn man selbst aufgehört hat, die Erkrankung - und damit ja auch sich - zu stigmatisieren." (Seite 67) . "Sagte ich schon, dass man richtig viel Geduld braucht? Vor allem mit sich selbst. Man muss sich eine Menge verzeihen können." (Seite 91)...more
Jakob Thurner wird bald 60 Jahre alt. Davor graut ihm ein bisschen, vielleicht auch ein bisschen mehr. Zu allem Überfluss möchte auch noch ein JournalJakob Thurner wird bald 60 Jahre alt. Davor graut ihm ein bisschen, vielleicht auch ein bisschen mehr. Zu allem Überfluss möchte auch noch ein Journalist eine Biografie über Jakob schreiben, was ihm auch nicht wirklich schmeckt. Auch die Beziehung zu seiner Tochter Luzie ist schwierig und wird nicht einfacher, als sie ihn fragt, was das schlimmste ist, was er je getan hat. Jakob erzählt ihr von einem tödlichen Unfall, an dem er Mitschuld trägt - und Luzie zieht sich daraufhin noch mehr zurück. In Rückblenden erfahren wir, wie es vor ungefähr zehn Jahren bei einem Filmdreh im Grenzbereich von Texas und Mexiko zu dem Unfall kam. Auch die Situation in Mexiko wird beleuchtet: grausame Femizide geschehen dort, das Grenzgebiet ist geprägt von Gewalt und Drogengeschäften. In einer eleganten Sprache erzählt Norbert Gstrein in "Der zweite Jakob" flüssig, aber leicht behäbig eher von Themen als eine stringente Geschichte mit Spannungsbogen. Um das Verhältnis von Fiktion und Realität geht es hier, um Familienstrukturen und darum, welche Lebensstationen auch nach Jahren noch an einer Person haften bleiben. Das alles ist schön herausgearbeitet, aber so richtig hat mich der Roman trotzdem nicht mitgerissen, teilweise hat er mich sogar etwas gelangweilt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Vater-Tochter-Beziehung noch mehr herausgearbeitet wird oder auch die Geschichte des "ersten Jakob". Irgendwie wurde alles eher nur angerissen und ein richtiger Spannungsbogen hat sich nicht aufgebaut. Für mich insgesamt ein sehr gut geschriebenes, thematisch interessantes, aber zu behäbiges Buch....more
Zandschow und Sansibar haben den gleichen Wortstamm. Das eine ist ein von Thomas Kunst erdachter Ort irgendwo in (Nord)Deutschland, das andere eine InZandschow und Sansibar haben den gleichen Wortstamm. Das eine ist ein von Thomas Kunst erdachter Ort irgendwo in (Nord)Deutschland, das andere eine Inselgruppe vor der Küste Ostafrikas. Und doch haben sie mehr gemeinsam als man denkt - zumindest in Kunsts Roman "Zandschower Klinken". Das Buch beginnt mit dem Aufbruch von Bengt Claasen, eine Figur, die Kunst für seinen Roman "Strandkörbe ohne Venedig" schuf. Dort schilderte der Autor Claasens Leben in Levenhaug (eine ebenfalls erdachte Stadt), im neuen Roman verlässt er diesen Ort nun. Ganz langsam fährt er mit seinem Auto die Straßen entlang, auf seinem Armaturenbrett das Halsbands seiner verstorbenen Hündin Weißäuglein. In dem Ort, in dem es herunterrutscht, möchte Claasen bleiben und so verschlägt es ihn schließlich nach Zandschow. Hier ist er einer von vielen Gestrandeten. Einer, dessen Leben ihm entglitten ist, einer, der Verluste zu verzeichnen hat. Und einer, der sich - wie die anderen Zandschower auch - in die Utopie dieses seltsamen Ortes einkuscheln kann. Hier gibt es einen Getränkeladen, dessen Besitzer Wolf billigen Bieren exotische Etikette verpasst und mit einer hochmodernen Sonnenbank einen Hauch von Südsee vorgaukeln kann. In Zandschow sind die Wochen genau durchgeplant, jeder Tag hat seinen Programmpunkt. Da werden U-Bahnfahrten simuliert, Plastikschwäne auf dem Feuerlöschteich ausgesetzt, der Weltuntergang wird besprochen, Europakonferenzen abgehalten und Bürgerwehren aufgebaut. Irgendwo dazwischen werden Online-Flirtversuche gestartet und immer wieder wird Zandschow zu Sansibar. Das Porträt dieses utopischen Ortes präsentiert uns Kunst in Häppchen, in kleinen Puzzleteilen, die nach und nach ein Gesamtbild ergeben. Dazwischen webt er Fragmente von Claasens - und vielleicht auch seiner eigenen - Familiengeschichte. Blickt auf die Kolonialgeschichte und den Sklavenhandel in Sansibar zurück, ebenso auf die DDR. Er reflektiert gesellschaftliche Ereignisse der Gegenwart, blickt auf die Situation geflüchteter Menschen, seltsame Gesetzesvorgaben, ja selbst die Corona-Pandemie blitzt hier und dort auf. Es wird von einem taxifahrenden Reh in Kolumbien erzählt, von einen Saurierpark auf dem ehemaligen Anwesen von Pablo Escobar. Das Märchen von Brüderchen und Schwesterchen spielt eine Rolle, Andersens Flaschenhals ebenso. Der Roman ist ein Feuerwerk an Intertextualität, spielt mit Wiederholungen, mit Rhythmus, mit lyrischen Elementen und scheut sich vor kaum etwas, außer dem linearen Erzählen. Das ist anstrengend, verlangt Konzentration und Zeit, doch hat man sich einmal auf diesen besonderen Rhythmus eingelassen, lässt er einen nicht mehr los. Dann kann man sich einfach von ihm treiben lassen. Kann sich entscheiden, ob man all die von Kunst eingestreuten Namen und Verweise nachlesen möchte oder sie einfach hinnimmt. Ob man den Roman als politischen Kommentar lesen möchte oder als amüsante Traumreise. Als einen Versuch, die Gegenwart zu kritisieren oder ihr zu entkommen - oder auch beides. Thomas Kunsts "Zandschower Klinken" ist ein geniales Buch, ein kluger experimenteller Versuch, die gängigen Lese- und Denkgewohnheiten zu brechen. Das muss man mögen und auch mir war es ab und zu die ein oder andere Wiederholung, der ein oder andere gedankliche Abzweig zu viel. Doch am Ende bin ich aus den Seiten aufgetaucht und wäre am liebsten gleich wieder vorne reingesprungen. Ich bin ein bisschen verliebt, vielleicht auch ein bisschen mehr....more
Tja, wo fange ich hier an? Die Geschichte um Kriemhild und Siegfried ist ja wahrscheinlich relativ klar. Felicitas Hoppe inszeniert sie nun als Open-AiTja, wo fange ich hier an? Die Geschichte um Kriemhild und Siegfried ist ja wahrscheinlich relativ klar. Felicitas Hoppe inszeniert sie nun als Open-Air-Theaterstück vor dem Wormser Dom. Alle bekannten Figuren treten auf (naja bis auf den Drachen, für den reichte das Budget nicht), königliche Modeschauen werden gehalten, Tortenschlachten geführt, Karten gelegt und natürlich Morde begangen. In den Pausen werden die Darsteller:innen interviewt und zu ihren Figuren befragt. Bis schließlich der Abspann kommt, in dem man unter anderem erfährt, dass Quentin Tarantino für die Dramaturgie des Ganzen zuständig ist. Klingt verworren? Ist es auch. Aber dabei so grandios, dass ich gar nicht weiß, wohin mit meiner Verzückung. Felicitas Hoppe hat mit "Die Nibelungen" ein literarisches Wunderwerk geschaffen, das kulturelle Bezüge zu Theater, Film und Oper herstellt. Das danach fragt, was Theater leisten kann und darf, das die Rolle der Frauen in dem alten Heldenmythos beleuchtet und auch die politische Dimension der ganzen Geschichte. Bei Hoppe darf der Nibelungenschatz eine Person sein, eine dreizehnte Fee, die immer Unglück mit sich zieht und der doch alle hinterherjagen. Man muss sich reingraben in dieses Buch und dieses Reingraben auch mögen. Aber dann ist das Lesevergnügen so groß, dass man dieses Buch lange nicht vergessen wird. Zumindest geht es mir so!
"Kein einziger von uns kann Ihnen sagen, worum es in diesem Stück wirklich geht, aber wir lieben es alle." (Seite 84)...more
Irgendwie hatte Franz Schlicht sich das anders vorgestellt. Rehragout wollte er dem Schauer verkaufen. Tiefgefrorens Rehragout. So wie immer. Doch danIrgendwie hatte Franz Schlicht sich das anders vorgestellt. Rehragout wollte er dem Schauer verkaufen. Tiefgefrorens Rehragout. So wie immer. Doch dann eröffnet der krebskranke ältere Herr dem Tiefkühlkostvertreter, dass er sich mit Hilfe einer großen Gefriertruhe umbringen möchte und bittet Schlicht, seine Leiche danach zum Auftauen auf einen öffentlichen Platz zu bringen. Als wäre das nicht seltsam genug, findet Schlicht wenige Tage später nicht wie verabredet Schauers toten Körper vor. Dafür trifft er auf dessen Tochter Astrid und mit ihr wird Schlicht von einer nicht ganz so rühmlichen Vergangenheit eingeholt, die ihn fast das Leben kostet. Es geht viel um den Tod in diesem merkwürdigen Roman, in den ich so verliebt bin, dass mein literarisches Herz fast platzt. Von einem Selbstmordclub wird erzählt, von Menschen, die sich lebendig einmauern, die sich bewusst starke Schmerzen zufügen oder in ein künstliches Koma versetzen lassen. Und gleichzeitig erzählt Ferdinand Schmalz vom Leben. Wie Menschen versuchen, die Kontrolle darüber zu behalten, aus den paar Jahren etwas Besonderes zu machen und ihren Platz in der großen Welterzählung zu definieren. In einer ganz großartig seltsamen Kunstsprache erzählt Ferdinand Schmalz all das. Eine Kunstsprache, die österreichischen und süddeutschen Dialekt vermengt. Die Syntax verdreht und große Konzentration von den Leser:innen verlangt. Anstrengend ist die, sie zwingt einen aber auch, dicht am Text zu bleiben, sich ganz und gar einzugraben in Schmalz' philosophische Gedanken und seine langen Sätze, die teilweise kleine Gedichte sind. Mir ist klar, dass dieser Roman nicht für alle etwas sein wird, aber mich hat er wirklich sehr begeistert - und mir mit dem Therizinosaurus einen neuen Lieblingsdinosaurier geschenkt. Also, wenn das nicht auf die Shortlist 2021 rutscht, dann weiß ich auch nicht.
"Hast du nicht auch von Zeit zu Zeit dieses Gefühl, dass wir nur hier, weil wir noch eine Aufgabe, eine wichtige, oder auch nicht so wichtige, in jedem Fall aber eine unverzichtbare Aufgabe in so etwas wie einer größeren Erzählung haben?" (Seite 70)...more
Irgendwas ist anders seit Wadik da ist. Annuschka spürt es ganz genau. Viel erwachsener fühlt sie sich auf einmal und deswegen wird aus Annuschka AnnaIrgendwas ist anders seit Wadik da ist. Annuschka spürt es ganz genau. Viel erwachsener fühlt sie sich auf einmal und deswegen wird aus Annuschka Anna, die ziemlich viele Fragen hat. Die mehr wissen möchte, als ihre Großeltern ihr vermitteln können. Dabei ist ihr Großvater Ilja sogar der Wissenschaft zugeneigt. Er ist einer, der auf den Aberglauben seiner Frau nicht viel gibt. Mithilfe eines Glasröhrchens sagt er das Wetter voraus. Das ist wichtig für die Leute im Dorf, schließlich hängt davon die Ernte ab. Doch nicht alle sind begeistert von dieser modernen Methode. Ähnlich wie Iljas Frau Inna, glaubt auch der alte Pjotr an die alten Wege. Er befragt lieber den Fluss als irgendwelche Röhrchen und hat noch Respekt vor Waldgeistern. Deswegen glaubt er Inna auch, als sie erzählt, dass bald ein Mann erscheinen wird, schließlich ist ihr ein Messer runtergefallen und das sagt ja wohl alles. Und dann liegt Wadik in ihrem Stall. Ein junger Mann, der einzige im Dorf, alle anderen jungen Männer sind im Krieg. Wadik sagt nicht viel, geht aber bei Ilja in die Rörchen-Wetter-Lehre, schnitzt viel und freundet sich mit Anna an. Die wiederum erhofft sich von ihm lesen zu lernen oder doch zumindest irgendwas, das Ideen bringt, eine Zukunft mit Träumen, auch für junge Frauen wie sie. Yulia Marfutova hat mit "Der Himmel vor hundert Jahren" ein eigentümliches Porträt eines Dorfes geschrieben, das im Russland des Jahres 1918 irgendwo zwischen den Zeiten hängt. Eine Mischung aus Aberglaube und christlichem Glaube ist hier vorherrschend, die meisten Bewohner:innen können nicht lesen oder schreiben - wozu auch. Doch der Wandel hin zur Moderne ist spürbar, er tröpfelt langsam in das Dorf - nicht nur im Guten - und kommt doch nicht richtig an. Sehr subtil erzählt Marfutova das alles, vieles wird nur angedeutet. Das muss man mögen und ehrlich gesagt, war auch mir das Ende etwas zu vage. Aber die Fabulierlust Marfutovas, ihr Spiel mit der Sprache und ihre Erzählerin, die sich selbst unterbricht und verbessert hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dieses Büchlein mit seinen schrulligen Figuren doch lieb gewonnen habe....more
Die Kiefer. Nicht unbedingt der schönste Baum der Welt, aber ein Sinnbild Brandenburgs und nun die heimliche Protagonistin des neuen Gedichtbandes vonDie Kiefer. Nicht unbedingt der schönste Baum der Welt, aber ein Sinnbild Brandenburgs und nun die heimliche Protagonistin des neuen Gedichtbandes von Lutz Seiler. In "schrift für blinde riesen" kommt sie immer wieder vor, der Kiefernwald ist Sehnsuchtsort, Heimat und cooler Punk. Es ist also nicht überraschend, dass ich mich sofort in dieses Buch verliebt habe - denn die Liebe zur Kiefer teile ich mit Lutz Seiler. Und er findet Worte und Bilder für sie, die so schön sind, dass mein Herz ein bisschen überläuft. Das klingt kitschig, Seilers Lyrik ist es aber kein bisschen. Sie wirkt vielmehr entschleunigend, malt stille, intensive Bilder und erfindet neue Worthorizonte, wie es eben nur Seiler kann. Ich bin auf sehr angenehme Art betrunken von seinen Texten, die nicht nur von Kiefern, sondern auch dem Meer, der ehemaligen DDR, seiner Kindheit und ersten Corona-Ängsten erzählen. Eine dringende Lyrikempfehlung!
"ein paar irokesen sind immer dabei mit ihrem irokesen-schnitt. ihr blut ist blass, ist grind, verstummt, das sind die götzen, die mir milde geben." (aus "im kieferngewölbe", Seite 31)
"[...] du siehst wie kiefern in den kronen glühen wie dioden blinder riesen in der abendsonne. du siehst & lauschst den widerständen, ihrem abknistern, den liedern, diesem radio von ast zu ast (aus "auf sendung", Seite 97)...more
Irgendwie ist ihm alles ein bisschen zu festgefahren. Sein Alltag, sein Job, aber vor allem seine Beziehung mit Julia. Mitte vierzig sind sie beide, dIrgendwie ist ihm alles ein bisschen zu festgefahren. Sein Alltag, sein Job, aber vor allem seine Beziehung mit Julia. Mitte vierzig sind sie beide, das Alter sieht man, findet er. Dann lernt Heinz Strunks namenloser Protagonist Vanessa kennen. Sie ist jung, sehr schlank, blond und für ihn die heißeste Frau überhaupt. Auf einer Premierenfeier lächelt sie ihn an, seitdem kann er nur noch an sie denken und versucht, ihr nahe zu kommen. Sie hält ihn jedoch von Anfang an auf Distanz - ein Warnzeichen, das der Verliebte natürlich ignoriert. Diesen hilflosen Zustand des Verliebtseins, das zermürbende Warten auf Nachrichten, das an nichts anderes denken können, beschreibt Heinz Strunk sehr authentisch, witzig und schonungslos. Das hat mir gefallen, an solchen Stellen ist er ein starker Erzähler, einer, der seinen Protagonisten genau kennt und zeichnen kann. Doch an vielen anderen Stellen bleibt er hinter seinen Möglichkeiten, ja langweilt stellenweise sogar. Das liegt vor allem daran, dass Strunk das sehr ausgelutschte Motiv der geheimnisvollen, leicht irren, natürlich wunderschönen Frau bedient, die davon abgesehen keine Persönlichkeit hat. Wir erfahren kaum etwas über Vanessa, schon gar nicht aus ihrer Sicht. Nur an einer Stelle darf sie von einem furchtbaren sexuellen Missbrauch erzählen, doch auch dort wechselt Strunk schnell in die Täterperspektive. Danach ist der Missbrauch quasi kein Thema mehr, Vanessa wird wieder zu einem profillosen Geheimnis. Mich hat das genervt, zumal ich auch nicht verstanden habe, was die beiden zueinander gezogen hat. Sie haben nichts gemeinsam, können nicht miteinander kommunizieren, wissen kaum etwas voneinander. Der Sex ist natürlich überirdisch aber reicht das, um von Liebe zu sprechen? Alles an dieser Beziehung ist verkehrt, sie ist von Beginn an zum Scheitern verurteilt, das ist ja auch Thema. Aber durch die einseitige Perspektive konnte die Geschichte mich nicht durchgehend mitreißen - trotz einiger grandioser Sätze....more