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Arwa Quotes

Quotes tagged as "arwa" Showing 1-30 of 32
Mehwish Sohail
“Wenn ich könnte, würde ich den Leuten gern schon bei unserem ersten Zusammentreffen erklären, wie es um mich steht. Dass ich die meiste Zeit über keine Ahnung habe, was ich mache oder machen sollte. Ich weiß nicht, was von mir erwartet wird, welche Wörter ich zusammensetzen muss, damit sie Sinn ergeben. Und genauso wenig weiß ich, wie man andere Menschen liest â€� es ist, als ob alle bei ihrer Geburt eine Gebrauchsanweisung für soziale Interaktionen installiert bekommen haben, nur mich hat man übersprungen. Und jedes Mal, wenn ich versuche, mich mit anderen zu verständigen, sind da tausend Fragen in meinem Kopf: Soll ich weiter lächeln? Den Blickkontakt aufrechterhalten, etwas sagen, nichts sagen â€� und wohin mit meinen Händen, meinen Füßen, mit meinem Körper? Wohin mit mir?”
Mehwish Sohail, Like water in your hands

Mehwish Sohail
“Wien istâ€�" Ich versuche mich an die richtigen Vokabeln auf Urdu zu erinnern, merke aber, dass ich nicht mal auf Deutsch so genau wüsste, wie ich fortfahren soll. Wien istâ€� groß? Ernüchternd. Ermüdend. Irgendwie schäbiger als erwartet, irgendwie schöner auch. Vor allem ist es sehr viel und sehr schnell und ziemlich ü²ú±ð°ù·Éä±ô³Ù¾±²µ±ð²Ô»å, auch nach den vier Wochen, die ich schon hier bin. "Wien", beende ich meinen in der Luft schwebenden Satz. "Wien eben.”
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Mehwish Sohail
“Das ist alles sehr ü²ú±ð°ù·Éä±ô³Ù¾±²µ±ð²Ô»å, oder? So ein Umzug und all die neuen Menschen.”
Mehwish Sohail, Like water in your hands

Mehwish Sohail
“Als ich noch bei meinen Eltern lebte, habe ich selten mit meiner Familie in Pakistan telefoniert. Meine Verbindung zu Pakistan war für viele Jahre gekappt, was zum großen Teil an meinen Eltern selbst liegt, die sich von all ihren Verwandten zurückgezogen haben. Asma Aunty redet dagegen regelmäßig mit meinen Großeltern, weswegen es auch für mich immer mehr zum Alltag wird. Anfangs haben mir meine Probleme mit der Sprache und mein nervöses Selbst die Kommunikation schwer gemacht, aber die beiden füllen nur zu gern meine Lücken aus und freuen sich allein schon darüber, mich zu sehen, ohne dass ich etwas sagen muss. Es ist fast schon befremdlich, wie gern sie mich noch haben. Sie kennen diese Person, die ich heute bin, doch gar nicht. Wie können sie so lieb zu mir sein? Ich habe nie irgendwas getan, um diese Sanftheit zu verdienen.”
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Mehwish Sohail
“Tariq: Lieblingsfarbe?
Ich: Blau.
Tariq: Welches Blau?
Ich: Jedes. Blau ist Blau ist Blau. Deine?
Tariq: Blau.
Ich: Wirklich?
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Mehwish Sohail
“Ich ertrinke an mir selbst, während ich mit meiner Mutter telefoniere, und sie bekommt nichts davon mit.”
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Mehwish Sohail
“Was, wenn Heimat ein ewiger Kreislauf des Suchens, Findens und wieder Verlierens ist?”
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Mehwish Sohail
“Hier in Wien reicht aber ein Tag draußen, um für die restlichen sechs kaum Energie mehr zu haben. Als würde die Stadt mich leer saugen.”
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Mehwish Sohail
“Ich sollte damit mal zu einem Arzt gehen. Aber die Idee verwerfe ich sofort wieder, weil der Gedanke an Ärzte mindestens genauso erschreckend ist wie Small Talk.”
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Mehwish Sohail
“Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit?", frage ich.
Er blinzelt kurz, dann klärt sich sein Blick. "Dass wir uns hier treffen?"
Ich nicke.
"Statistisch gesehen ziemlich hoch." Er zuckt mit den Schultern. "Statistisch gesehen trifft man täglich dieselben Menschen, wenn man sich immer in denselben Räumen bewegt, man achtet nur nicht darauf, weil man sie nicht kennt. In der Masse aus Fremden sehen eben alle gleich aus. Aber da wir nicht mehr so fremd miteinander sind, ist es bei uns anders. Wir bemerken uns." Leiser fügt er hinzu: "Wir sehen uns.”
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Mehwish Sohail
“Keiner, der in Wien lebt, ist je mit dem Riesenrad im Prater gefahren", sagt Tariq, der mir viel näher ist, als ich erwartet habe. "Ist ein ungeschriebenes Gesetz.”
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Mehwish Sohail
“Hallo, Wien! Ich bin hier! Hier, hier!”
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Mehwish Sohail
“Nein, aber ehrlich jetzt, ich hab keine Ahnung, wieso diese Leute Anime so hassen. Meine Kunstlehrerin war auch so, eigentlich voll lieb, aber wehe, du malst irgendwas, was sie an Anime erinnert."
"Weil alles, was kindisch und weiblich wirkt, in unserer Gesellschaft gern abgewertet wird. Vor allem, wenn es nichteuropäisch ist«, erklärt Tariq, als hätte er das schon hundertmal wiederholt. »Würde Maya jetzt sagen."
"Wollte grad sagen, klingt typisch nach ihr. Aber stimmt doch! Immer, wenn etwas weniger maskulin wirkt â€� was immer die sich darunter vorstellen â€�, wird es sofort weniger ernst genommen. Außer man ist ein weißer Typ und heißt Andy Warhol â€�”
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Mehwish Sohail
“Du warst schon immer so ein perfektes Kind, oder nicht?”
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Mehwish Sohail
“Man muss keine Angst davor haben, überschwemmt zu werden, wenn man selbst eine Welle ist.”
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Mehwish Sohail
“Mein erster Gedanke, als ich eine Woche später das Auto auf dem Parkplatz eines unscheinbaren Eventhauses abstelle, ist Arwa. Einfach Arwa, nicht etwas Bestimmtes an ihr, sondern ihr Name, der wie ein Blatt von den Bäumen runtersegelt und vor meinen Füßen zum Liegen kommt. Es knirscht, als ich den Gedanken an ihr zertrete und den Ort betrete, an dem die Hennafeier stattfindet.”
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Mehwish Sohail
“Sie braucht ewig lange, um eine Antwort zu schicken. Tausendzweihundert Sekunden, um es genau zu nehmen. Nicht dass ich mitzähle, das ist nur mein Herz, das zu heftig schlägt. Vielleicht ist es sogar ein Donnern. Ich weiß es nicht. Ich hör eh nur Rauschen. Ihre Antwort besteht aus einem einzigen Wort. Hi.
Ich kann vor mir sehen, wie sie ihren Blick senkt. Wie sie das Wort viel zu schnell, viel zu hastig sagt und dann so tut, als hätte sie es nicht so gemeint. Als würde sie darauf hoffen, dass man sie gar nicht erst hört.
Aber ich höre dich, ich höre dich immer.
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Mehwish Sohail
“Ich bin kurz davor, mein Studium zu beenden. Für die meisten anderen ist spätestens das der Moment, um unabhängig zu werden. Aber bei uns läuft das alles einfach anders ab. Unsere Familien formen uns nicht nur, wenn wir jünger sind, sie bleiben durchgehend immer präsent. Jede wichtige Frage, die wir uns stellen, auch wenn wir erwachsen sind, versuchen wir nicht allein zu beantworten, sondern gemeinsam, mit der Familie im Hinterkopf."
"Unsere Kultur baut halt auf Gemeinschaften auf", sagt Arwa. "Würden wir mehr auf das Individuelle achten, wären wir �" Sie zuckt mit den Schultern. "Der Westen?"
"Wahrscheinlich. Aber ich frag mich halt, gibt es nur das eine oder andere? Also, geht auch etwas dazwischen?"
"Zwischen Wir und Ich?"
"Zwischen Wir und Ich. Ja, irgendwie schon." Ich fahre mir über meine Augen. "Wenn ich zum Beispiel meine Familie wegdenke, wer bin ich dann?”
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Mehwish Sohail
“Du bist Tariq", wiederholt sie die Worte, die mir Maya letztens gesagt hat. "Du hast einen tollen Musikgeschmack, bist loyal, ruhig, denkst zu viel nach, bist immer für alle da und kannst wirklich romantisch sein. Manchmal sogar zu romantisch für meinen Geschmack."
Obwohl mir die Beschreibung nicht hundertprozentig zusagt, zucken meine Mundwinkel. "Soll ich ein bisschen runterschalten wegen der Romantik?"
"Nein", antwortet sie nur, und ich lächle schwach.”
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Mehwish Sohail
“Ich wünschte, ihre Gedanken könnten wie die Tränen vorhin aus ihren Augen sickern, dann würde ich sie auffangen, um sie zu lesen.”
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Mehwish Sohail
“Ich wünsche, ich könnte meinen Kopf aufschrauben und dieses Chaos darin auf die Leinwand in meinem Zimmer auszuschütteln, um Raum zu schaffen, das Gefühl, aufatmen zu können.”
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Mehwish Sohail
“»Was, wenn du jemand anderen findest?«
»Was, wenn du jemand anderen findest?«
Ich will ihm sagen, dass das sehr unwahrscheinlich ist, denn mein Glück mit der Liebe habe ich mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit bei ihm aufgebraucht.”
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Mehwish Sohail
“Ich weiß nicht so recht, wie ich den Ausdruck auf ihrem Gesicht deuten soll. Er wirkt mir zu ruhig, zu nüchtern.”
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Mehwish Sohail
“Wenn meine Eltern diese Geschichten von ihrer Erfahrung als Ausländer hier in Österreich mit uns teilen, spüre ich den gleichen Frust, den ich in Arwas Augen jetzt sehe. Es bricht nur immer Stück für Stück und in unerwarteten Momenten aus ihnen heraus, weil sie sonst immer darauf bedacht sind, ihren Kindern diese Erfahrungen zu ersparen. Aber wenn ich diese Bruchstücke mal zu hören bekomme, fühle ich mich einfach hilflos, weil ich nicht weiß, was ich tun könnte, um es leichter für sie zu machen.”
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Mehwish Sohail
“Würdest du gern?", frage ich.
"Ja." Ein Wort und tausend Gefühle.”
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Mehwish Sohail
“Weißt du, welche Gedanken mir gerade kommen? Dass ich einfach nicht das Recht habe, so ³Ü²Ô²µ±ôü³¦°ì±ô¾±³¦³ó zu sein. Ich bin nicht diejenige, die solche Dinge durchmachen musste wie meine Mutter. Ich hab eigentlich nie direkt irgendwas Schlimmes erfahren. Und dann taucht sie plötzlich bei mir auf und sagt mir so Sachen wie die, dass sie stolz auf mich ist und wie leid ihr alles tut. Als wäre sie schuld. Dabei wäre sie eigentlich so viel besser dran ohne mich. Und ich weiß nicht â€�"
"Es geht aber nicht um Schuld", unterbreche ich sie. "Es fühlt sich so an, aber es geht nicht darum, Arwa. Du hast es auch gesagt, dass eine Beziehung zwischen Kindern und Eltern nicht so sein sollte.”
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Mehwish Sohail
“Mein Herz stolpert, ich kann mich nicht regen. Ich muss an Arwas Worte denken, dass sie sich kein Mitgefühl erlauben, sich nicht das Recht zusprechen kann, ³Ü²Ô²µ±ôü³¦°ì±ô¾±³¦³ó zu sein. Es ist schwer für uns, unsere Position nicht mit der von unseren Eltern zu vergleichen und uns für unsere Privilegien nicht schuldig zu fühlen. Ich kann die Ängste und Sorgen meiner Eltern nachempfinden, aber die Linie zwischen Dankbarkeit und Selbstaufopferung ist fein. Gefühlt mein Leben lang habe ich versucht, den Ausgleich zu finden.”
Mehwish Sohail, Like water in your hands

Mehwish Sohail
“Manchmal habe ich Angst, zu viel Hoffnung zu haben."
"Kann man zu viel Hoffnung haben?", fragt er.
"Ich hab Angst, dass so viel Hoffnung gleich ebenso viel Enttäuschung bedeutet.”
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Mehwish Sohail
“Mir wurde in der Ambulanz gesagt, ich sei eine mutige junge Frau, weil ich mich getraut habe, Hilfe anzunehmen. Im ersten Moment wollte ich protestieren, weil es sich nicht wie Mut angefühlt hat, sondern eher wie Aufgeben. Aber daran zu arbeiten, besser zu werden, ist eigentlich das Gegenteil von Aufgeben. Ich habe es ja schon Tariq gesagt: Es fühlt sich eher so an, als könnte ich nach langer Zeit wieder daran glauben, dass alles wirklich gut werden kann. Es fühlt sich auch ein klein wenig wie damals an, als ich mit den Sadeem-Geschwistern und Hama auf dem Dach stand und auf Wien runtergeblickt habe. Als wäre ich unverwüstlich.”
Mehwish Sohail, Like water in your hands

Mehwish Sohail
“Wenn ich dich in Tokio besuche, will ich auch auf so ein fancy Date", bemerkt sie abwesend. "Wenn", nicht "falls". Und da ist es wieder â€� das Wir in jedem Satz.”
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